Appell zur Corona-Pandemie

Liebe Freundinnen und Freunde des Karnevals,

es sind außergewöhnliche Zeiten, in denen wir leben. Ein Virus hat uns innerhalb kürzester Zeit gezeigt, wie verletzlich unsere gesellschaftlichen Strukturen sein können. Das öffentliche Leben wurde innerhalb kürzester Zeit zurückgefahren, Veranstaltungen abgesagt und Treffen, selbst in kleinen und überschaubaren Gruppen verboten.

Als Dachverband der Karnevalisten sind wir im Normalfall erst dann richtig zufrieden und glücklich, wenn wir es schaffen viele Menschen zeitgleich zusammen zu bringen. Aber, liebe Freundinnen und Freunde, besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

Daher haben wir als RKK unsere bevorstehenden Veranstaltungen, wie Tanzturniere und die RKK-Gala schon frühzeitig abgesagt, auch um ein Zeichen zu setzen.

Viel Beifall gab es für die gelungenen Tanzeinlagen.

Besorgt beobachten wir gerade, dass es trotz intensiver Informationspolitik der zuständigen Stellen und trotz weiterhin steigenden Zahlen bei den Infektionsfällen nach wie vor Menschen gibt, an denen die bisherigen Appelle scheinbar vorbei gehen. Wir lesen von sogenannten Coronapartys und von Menschengruppen, die sich irgendwo auf öffentlichen Plätzen tummeln.

Ganz deutlich gesagt, es geht nicht darum, dass irgendwer Lust hat Partys zu verbieten. Es geht darum Kapazitäten im Gesundheitssektor zu sichern. Wenn alle Betten durch Coronapatienten belegt sind, dann können Akutopfer, beispielsweise nach Unfällen, nicht mehr versorgt werden. Und dann gefährden solche Partys oder andere Zusammenkünfte auf lange Sicht auch die Personengruppen, für die das Coronavirus an sich ungefährlich ist. So gesehen handelt es sich hier nicht nur um Gefährdung der Allgemeinheit, sondern auch um Selbstgefährdung.

Wir stellen des weiterem fest, dass die sozialen Medien aktuell immer noch gerne (und vielleicht auch vermehrt) genutzt werden, um Falschmeldungen zu verbreiten, sei es wegen Corona direkt oder um politisch Stimmung zu machen.

Von allen diesen Auswüchsen möchten wir uns als Karnevalisten entschieden distanzieren. Ja, wir feiern gerne, aber nur wenn es angebracht ist. Wir feiern nicht, wenn wir damit andere Menschen gefährden. Wir beteiligen uns nicht an systematischer Fehlinformation und vor allem folgen wir (wenn auch schweren Herzens) in dieser schwierigen Zeit den  Anweisungen, die wir von den Krisenstäben erhalten.

Wir zählen auf Sie!

Gleichzeitig appellieren wir an Sie die wohlklingenden Leitsätze des Karnevals gerade jetzt mit Leben zu füllen. Echte Fründe stonn zesamme – sangen einmal die Höhner und uns ist kein adäquater Song bekannt, in dem man fordert, dass in Notzeiten möglichst viel gebunkert wird, sodass den Mitmenschen nur noch leere Regale bleiben.

Unterstützen wir als echte Karnevalisten nach Möglichkeit zusätzlich die nachbarschaftlichen Hilfsgruppen (En unserem Veedel) indem wir Lebensmittel spenden oder Einkaufsdienste für Risikogruppen erledigen.

Lassen Sie gemeinsam zeigen, dass wir entgegen unserem eigentlichen Naturell in Notzeiten auf Partys und Zusammenkünfte verzichten können.

Unterstützen wir vertrauensvoll die öffentlichen Stellen, die sich mit Vehemenz dafür einsetzen, dass wir möglichst unbeschadet aus der Krise kommen. Mögen wir mit vielen Entscheidungen in der Vergangenheit nicht einverstanden gewesen sein, darüber können wir später wieder gerne diskutieren. Es zählt nur das hier und jetzt.

Unterstützen wir alle die Personengruppen, die nun dafür sorgen, dass die Versorgung sichergestellt ist. Gehen wir freundlich mit dem Verkaufspersonal um, welches rund um die Uhr dafür sorgt, dass Regale wieder aufgefüllt werden.

Lassen wir die Straßen den LKW-Fahrern, die für die Nachschublieferungen sorgen.

Schätzen wir die Menschen in den medizinischen Berufen wert, die sich im wahrsten Sinne des Wortes den Allerwertesten aufreißen, um Betroffene und Infizierte zu behandeln. Vergessen wir nicht, dass alle die Menschen sich durch diese Tätigkeiten einer erhöhten Gefahr aussetzen sich selbst zu infizieren.

Unterstützen wir alle die Gruppen auch durch unser Einkaufsverhalten. Hamstern wir nicht, sondern lassen auch diesen Menschen die Möglichkeit nach kräftezehrendem Einsatz, Überstunden und Doppelschichten einzukaufen.

Echte Fründe stonn zesamme – zeigen auch wir, dass wir uns von einer solchen Krise nicht unterkriegen lassen. Nehmen wir Rücksicht aufeinander und seien wir Karnevalisten Vorbild, was das Miteinander in dieser besonderen Situation angeht.

Wir zählen auf Sie!

 

Mit freundlichen Grüßen

Hans Mayer
Präsident der RKK Deutschland